Annemarie Chrétien
Zur Geschichte der Deutschen Schule
The self is not something ready made, but something in continuous formation through the choice of action.
--John Dewey

- Heinz Sklarzik, first German School principal, with his class at the McLean, Virginia, campus (November 1964). Photo: 1964©Eugen Santorini.
Wenn ich aus zeitlicher Distanz auf die Aufbaujahre zurückblicke, so doch viele der damaligen Anstrengungen und Schwierigkeiten, geblieben aber ist die Erinnerung an das Endergebnis, nämlich die Errichtung einer aus kleinen bescheidenen Anfängen entstandenen Deutschen Schule.
Was heute so selbstverständlich erscheint, wurde damals, nach langem Hin und Her, viel Auf und Ab, mit Mut und Engagement erkämpft. Um all diese Umstände zu verdeutlichen, muss ich auf das Zeitgeschehen der 50er Jahre eingehen.
Lange bevor die Russen am 4. Oktober 1957 den ersten Satelliten in seine Umlaufbahn schickten, erkannte man hierzulande, dass andere Faktoren als nur reines Fachwissen, das amerikanische Bildungswesen geprägt haben, und man besann sich wieder auf Deweys Forderung, Schule und Gesellschaft einander näher zu bringen.
Dann kam der Sputnik Shock. Nicht nur, dass er die amerikanischen Gemüter erschütterte, die ganze Bevölkerung wurde von einer geradezu revolutionären Reforminitiative ergriffen, die sich auf alle Bildungsbereiche auswirkte. Regierung und Industrie verloren keine Zeit, den vermeintlichen russischen Vorsprung einzuholen, und einige Monate später war es dann auch so weit.
Die Erziehungsreformen wurden in einem nie dagewesenen Masse voran getrieben. Schlagwörter, wie Chancengleichheit, Schülerintegration mit den daraus folgernden Schüler- und Lehrerplazierungen (bussing) hielten ihren Einzug. Die Eltern forderten neue Konzeptionen der Unterrichtsgestaltung und Schulorganisation. Im Einklang mit dem Grundsatz der Chancengleichheit sollte das Bildungsdefizit der kulturell benachteiligten Kinder durch das Projekt Headstart (Vorschulerziehung) ausgeglichen werden. Mit grossem Nachdruck wurde von Carl F. Hansen, School Superintendent im District of Columbia, die Anhebung des allgemeinen Leistungsniveaus gefordert.
So führte er im Herbst 1960 ein streng nach Leistungen bewertetes Schulsystem ein, das sogenannte Amidon Concept. Nach diesem selektiven Konzept erhielten die Begabten und Talentierten (Gifted and Talented) in den Honor Tracks besondere Förderung; zudem wurde ab der 9. Klasse ein College Prepatory Program eingeplant. Die Lernbehinderten wurden in Basic Groups zusammengefasst und die Mittelfeldschüler in den "Regular Groups" klassenweise unterrichtet.
Dass dieser vom Sputnik-Geist heraufbeschworene Plan scheitern musste, ging u.a. auf die starke Fluktuation der Schülerzahlen und auf die ungleichen Startchancen zurück, wofür der Kongress die Mittel nicht mehr bereit stellte. Dagegen flossen die Gelder vom amerikanischen Verteidigungsministerium in die Bildungsbereiche, die im nationalen Interesse lagen (National Defense Education Act, l958).
Deutsche Sprache -- Schwere Sprache
Im nationalen Interesse lag auch die Förderung des Fremdsprachenunterrichtes. Das Fach Deutsch wurde im Foreign Service Institute in verstärktem Masse angeboten, im Armed Forces Institute machten mehr als 21 000 servicemen von deutschen Korrespondenzkursen Gebrauch. Für 45 cents wurde im Government Printing Office die 150-Seiten Broschüre "The National Interest and Foreign Languages" angeboten. Das Unterrichtsfach Deutsch war an einigen öffentlichen Schulen des Districts of Columbia für den Primarbereich (under grade seven) Pflichtfach. Davon konnte ich mich selbst Anfang der 50er Jahre während Studienaufenthaltes in den USA überzeugen. Der damalige US Comissioner of Education, Samuel Brownell, bezog sich in seiner Begrüssungsansprache an die deutschen Fulbright Stipendiaten auf die Umwälzungen im amerikanischen Erziehungssystem mit den folgenden Worten: “We are in a period of history, when America’s role - even her survival - depends on American knowledge and understanding of peoples everywhere... We may be on the threshold of a renaissance of language learning.” (April 1955 at the Social Security Agency in Washington, D.C.)
Obwohl an mehr als 100 Universitäten Sprachlabore eingerichtet und über mehr als 30 Fernsehstationen Fremdsprachenprogramme ausgestrahlt wurden, hinkten die Deutschprogramme hinterher, weniger als 0,8% der Studenten und Schüler machten davon Gebrauch. Die Gründe dafür sind offensichtlich, wollte man doch weder den “Geist des Kaisers, noch den des Dritten Reiches” heraufbeschwören (William R. Parker, Director of the Modern Language Association of America at the Carl Schurz Memorial Foundation’s anniversary dinner in Chicago on October 14, 1955).
In den Ländern Süd- und Mittelamerikas kümmerte man sich weder um Geister noch um Gespenster. Dort haben die meisten Deutschen Schulen die Kriegsjahre gut überstanden, so auch das Colegio Aleman Alexander von Humboldt in Mexico City. Diese Schule überlebte nur dadurch, dass einige deutsche Lehrer die Stellung im Gastland hielten. Ich sammelte meine Erfahrungen als Auslandslehrer an dieser Schule, an die ich mich von 1954 –1957, über eine vorgesetzte Dienststelle im Kultusministerium Baden / Württemberg vermitteln liess.
Die Idee einer deutschen Schule

- Die erste Deutsche Schule Nordamerikas,
Seit Mitte des 19. Jahrhundert gab es Bemühungen, auch im Raum Washington, DC. eine Deutsche Schule zu errichten; aber da Washington kein Haupteinwanderungsgebiet für Deutsche war, musste selbst der letzte Versuch des Concord Clubs im Jahre 1936 scheitern. Hinzu kam der Wunsch der deutschen Einwanderer, sich möglichst schnell dem amerikanischen Lebensstil anzupassen. Das änderte sich mit der Einwanderungswelle der Nachkriegsjahre, als der Ausbau der wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Bundesrepublik begann, zunächst unter dem Decknamen Operation Paperclip. Im Raum Washington beschränkte sich der Zuzug auf Mitarbeiter internationaler Organisationen, Wissenschaftler, Freiberufliche und Firmenangehörige aus dem deutschsprachigen Europa, sowie auf Angehörige deutschsprachiger Auslandsvertretungen.
So befasste ich mich mit dem Gedanken, für die Kinder dieser Eltern einen Kindergarten und eine deutsche Sprachschule einzurichten, die dann später zu einer deutschsprachigen Tagesschule ausgebaut werden sollte. Meine erste Anlaufstelle war die Georgetown University, die ich ja von meinem Fulbrightjahr her schon kannte. In Professor Hugo Müller fand ich einen begeisterten Anhänger dieser Idee. Er riet mir aber, dieses Projekt über die hiesige deutsche Botschaft in Angriff zu nehmen. So sprach ich am 7. November 1957 bei dem damaligen Leiter der Kulturabteilung, Bruno A. Werner, vor. Sinngemäss sagte er, “die Zeit sei noch nicht reif, die Nachkriegswehen noch nicht verheilt, geschweige denn vergessen, ‘unsere Kinder’ sollten erst mal richtig Englisch lernen
. . . um die Rückeingliederung solle ich mir keine Sorgen machen, davon könne ich mich selbst überzeugen, wenn ich mich in der Botschaft etwas umhöre.”
Diesem Rat folgend, bewarb ich mich um eine frei werdende Stelle in der Wirtschaftsabteilung. Das Zitat “mit der Zeit” bekam ich anlässlich eines Empfangs für den damaligen Bundespräsidenten, Professor Theodor Heuss, zu hören. Ich trug ihm mein Anliegen wegen der Errichtung einer Deutschen Schule vor und er riet mir “Mädle, lass d’ Fenger da’vo, des braucht sei Zeit.” Ich interpretierte dieses Zitat als “aufgeschoben ist nicht aufgehoben.”
Gegen Ende des Jahres hatte ich die Planungen und Vorbereitung für einen deutschen Kindergarten und eine deutsche Sprachschule so weit vorangetrieben, dass ich deren Eröffnung im Washington Journal für den 5. Februar 1958 ankündigen konnte. Nachfrage und Interesse für eine Schule dieser Art war gross, aber auch alle die mit einer Schulgründung verbundenen Schwierigkeiten waren deutlich geworden.
Mittlerweile waren neue Mitarbeiter bei der hiesigen Botschaft eingetroffen, die Kinder im schul- und vorschulpflichtigen Alter hatten. Somit war der Kreis der Interessenten grösser geworden. Die “Idee” fiel auf fruchtbaren Boden, vor allem bei dem Leiter der wissenschaftlichen Abteilung, Herrn Wolfgang Opfermann.
Durch meinen früheren Studienaufenthalt in den Staaten war ich mit dem amerikanischen Schulwesen einigermassen vertraut. Ich kannte das Procedere um Zulassung (certification) und Anerkennung der Zeugnisse deutscher
Lehrer. Um diese Schwierigkeiten schon im voraus aus dem Weg zu räumen, musste ich mir weitere graduate credits erwerben, zunächst an der University of Maryland mit einem M.Ed. als Abschluss und später mit einem weiteren master’s degree (M.A.) an der American University in Washington, DC. So hatte ich genug credits zusammen, um im amerikanischen Schulsystem, je nach den örtlichen Vorschriften, unterrichten zu können.
Wie bereits oben erwähnt, braucht alles seine Zeit. Die war mit der Versetzung von Helene Schöttle an die hiesige deutsche Botschaft gekommen. Sie hatte Erfahrungen mit der neu gegründeten Deutschen Schule in Mailand. In diese Zeit fällt auch die Gründung der deutsch-amerikanischen Gemeinschaftsschule in Berlin (11. Oktober 1960). Kurz zuvor, am 15. Juli 1960 wurde John F. Kennedy unter grossem Jubel und Begeisterung in Los Angeles zum demokratischen Präsidentschaftskandidaten gewählt. Eine Kennedy-Euphorie überrollte das Land. Mit all diesen Ereignissen begann ein neuer Zeitabschnitt in der Entstehungsgeschichte der Deutschen Schule.
Gründung des deutschen Schulvereins

- "Die erste Deutsche Schule," aus der Cartoon Geschichte der DSW: 1961-1981, Einwegweiser (1981). 1981©Jan Bazing & Martin König.
Helene Schöttle schlug unserem, an der Gründung einer deutschen Tagesschule interessierten Kreis vor, zunächst mal einen Verein zu gründen, sofern die Nachfrage gross genug sei. Dazu brauche man sieben Leute, man müsse nur die Trommel laut genug rühren. Am 5. Oktober 1960 traf sich dieser Kreis, der Trommelwirbel drang nach draussen und wir hatten “Ein Fähnlein der Sieben Aufrechten” zusammen, das sich die Gründung eines deutschen Schulvereins zum Ziele setzte. Am 26. Oktober 1960 war es soweit und unter dem Vorsitz von Wolfgang Opfermann wurde der Deutsche Schulverein Washington, DC, ins Leben gerufen. Er bestand aus folgenden Gründungsmitgliedern: Elisabeth Borchardt, Stephan Bigler, Annemarie Chretien, Hans Modley, Harald Mosmann, Wolfgang Opfermann und Helene Schöttle.
Es ist hier nicht der Ort, den langen mühsamen Weg der Aufbaujahre zurückzuverfolgen, aber es mussten noch viele Steine aus dem Weg geräumt werden, um ein für Schulzwecke geeignetes Haus genehmigt zu bekommen. Nach langen Verhandlungen war es gelungen, an 4925 MacArthur Boulevard, unweit der Botschaft, ein grosses Privathaus zu mieten. Mit dem Mietvertrag waren viele Auflagen, seitens der Nachbarn und der Behörden im District, verbunden. Wir hatten Glück in Herrn Hamblett, einem leitenden Angestellten beim District of Columbia, einen Fürsprecher für unser Anliegen gefunden zu haben. Er vertrat unsere Sache mit Nachdruck und Entschiedenheit. Herr Hamblett, ein sachlich nüchterner Engländer, war der Ehemann von Herrn Opfermanns fremdsprachliche Assistentin!
Nachdem diese Hürden, wie Einwilligung der Nachbarn, die Begrenzung der Schülerzahlen (Feuerwehr), Zubringerdienst durch Privatautos (Transport), Zusammensetzung der Schülerschaft (US Department of State), Ausnahmegenehmigungen (District of Columbia) genommen waren, mussten noch umfangreiche Arbeiten an Haus und Hof ausgeführt werden, um das Gebäude für Unterrichtszwecke herzurichten.
Die Anfänge der Schule wurden aus Spendenmitteln des Elternkreises bestritten. Weiterhin sorgte eine grosszügige Spende des Auswärtigen Amtes dafür, dass Einrichtungsgegenstände und Lehrmittel noch im September 1961 eintrafen. Mit der Entsendung des Lehrerehepaares Heinz und Ingeborg Sklarzik hatte die Schule einen guten Fang gemacht. Beide Lehrkräfte waren vom Bayerischen Kultusministerium empfohlen worden, wobei es eine glückliche Fügung war, in Herrn Sklarzik nicht nur einen hervorragenden Schulleiter zu bekommen, sondern auch einen Lehrer, der durch einen Studienaufenthalt im Jahre 1951/52 Erfahrungen im amerikanischen Schulwesen gewonnen hatte und diese in die neue Funktion einbringen konnte.
Erster Schultag der DSW

- Annamarie Chretien im Klassenzimmer Juni 1963 mit der kombinierten 2. & 3. Klasse. 1963: Courtesy A. Chretien.
Am 11. September 1961 konnte die deutsche Schule für 33 Kinder ihre Tore öffnen. Die offizielle Einweihung fand am 18. September 1961 durch den Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Wilhelm Grewe, statt. Er sagte:
“The establishment of this school in such a short time would not have been possible without the friendly and efficient help of the American authorities, particularly the Department of State and the administration of the District of Columbia.
The school, as all our German schools abroad, is open to children of all nationalities. A school is one of the best places for young people to meet and make friends. They will never forget this experience throughout their lives, and I sincerely believe this new German School in Washington – which is the first one in the United States – will also serve the goal of better mutual understanding.”
Die Rede des Botschafter spiegelte den Geist der Nachkriegszeit wider, den der neuen deutsch-amerikanischen Freundschaft. Die Deutsche Schule Washington DC sollte Bindeglied zwischen Sprache und Kultur beider Länder werden.
Die Aufbaujahre: 1961-1972

- 1962 Fairfax, Virginia. Mr Lantzsch (second from right), owner of Lantsch Volkswagen presents a VW bus to the German School. from 40 Jahre Deutsche Schule: Eine Festschrift, 2001@German School Society.
Kurz nach der offiziellen Eröffnung wurden Franz Lütolf und ich in den Schulvereinsvorstand gewählt. Herr Lütolf, ein Schweizer,hat sich, durch seinen unermüdlichen Einsatz für das Wachsen und Gedeihen der Deutschen Schule Washington DC, in den entscheidenden Jahren des Aufbaus, große Verdienste erworben.
Von den 33 Kindern im Schuljahr 1961/62 besuchten 15 den Kindergarten und 18 die Grundschule, in der in zwei Klassen je zwei Schülerjahrgänge unterrichtet wurden, die Klassen 1/2 bis zum Eintreffen von Frau Sklarzik im November von Frau Kortz. Den Kindergarten leitete eine von der BRD vermittelte Erzieherin, Friedlinde Kochskämper. Sie übernahm ebenfalls den Turnunterricht für die Schulkinder, der im zehn Gehminuten entfernten Palisade Field House und Recreation Center stattfand.
Heinz Sklarzik, der Leiter der Schule, unterrichtete die Klassen 3/4, ebenfalls kombiniert. Für die Schüler, die Deutsch nicht als erste Sprache hatten, richtete er samstags Deutschkurse ein. Vermittlung und Gebrauch der deutschen Sprache war zunächst das oberste Ziel. Deshalb wurde auch der Englischunterricht erst in der zweiten Klasse eingeführt, nachdem der Lese- und Schreiblehrgang abgeschlossen war.
Obwohl die geringe Schülerzahl eine flexiblere Unterrichtsgestaltung erlaubte, mussten doch Lehr- und Stoffpläne aufgestellt und die vielen, von den zuständigen Behörden in Deutschland und im Gastland vorgeschriebenen Regelungen und Richtlinien eingehalten werden, was allerdings im Falle fire drill großzügig gehandhabt wurde. Immer auf der Hut vor möglichen Inspektionen, löste doch das Erscheinen des fire marshalls wegen der überschrittenen Schülerzahl Unbehagen aus. So verschwanden bei seiner Ankunft, nach einem vorher ausgeklügeltem Plan, die “überzähligen” Kinder in der Küche des Hausmeisterehepaares. Frau Sklarzik führte sie dann auf einen, von Bäumen und Büschen umgebenen, freien Platz und machte mit ihnen Spiele, bis “die Luft wieder rein war.” Die genehmigte Anzahl der Kinder verblieb treu und brav im Klassenverband.
Der erste Durchbruch: Ohne Fleiß--Kein Preis

- DSW Gruppe bei der international Food Fair im Mayflower Hotel, Washington, DC (1964). 2001©40 Jahre DSW: Eine Festschrift, German School Society.
Die anderen behördlichen Auflagen wurden sehr gewissenhaft erfüllt; schliesslich und endlich ging es um die Existenzberechtigung eines noch ungesicherten Unternehmens. Dafür bot sich bereits im Dezember 1961, anlässlich der musikalischen Umrahmung einer Weihnachtsfeier in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland, Gelegenheit. Die Darbietungen des kleinen Schulchors unter der Leitung von Frau Sklarzik, ernteten großen Beifall und die volle Anerkennung des Botschafters, Wilhelm Grewe. Das veranlasste Wolfgang Opfermann zu dem Ausruf:”Das war unser Durchbruch!”
Daran anschließend meldete der damalige Gesandte der Deutschen Botschaft, Dr. Schnippenkötter, seine Kinder in der Deutschen Schule Washington an. Die weitere Entwicklung der Schule wurde zunächst von vier Hauptfaktoren bestimmt: den deutschen Anforderungen, den amerikanischen Anforderungen, den gegebenen Verhältnissen und der Schülerschaft, deren Bedürfnisse es bei der Erstellung der Lehr- und Stoffpläne zu berücksichtigen galt, ging es doch in erster Linie um sie. Nur wer aus eigener Erfahrung weiß, wieviel stetige und mühsame Kleinarbeit in einem geordneten Schulbetrieb steckt, kann das Ausmaß eines zweisprachig durchgezogenen Unterrichtes ermessen, abgesehen von den immer gegenwärtigen Schulreformen. Ohne das Vertrauen der Eltern, das sie der Schule entgegen gebracht haben, wäre eine fruchtbare Zusammenarbeit nicht möglich gewesen. Immer wieder waren wir auf ihre Mitarbeit angewiesen, sei es bei Festen und Feiern oder bei der blossen Mundpropaganda.
Das Wohlwollen der zuständigen deutschen Behörden im Auswärtigen Amt wollten wir mit all unseren Anträgen über Schulleitung, Vorstand und Botschaft nicht verscherzen, hing doch die Existenz der Schule davon ab. Gerade hier hat sich der Schulleiter, Herr Sklarzik, zusammen mit seiner Frau und Kollegin, Ingeborg Sklarzik, grosse Verdienste und die Anerkennung der ganzen Schulgemeinschaft erworben, vor allem aber die Zuneigung der Schüler. Gerne denke ich an diese harmonische Arbeitsatmosphäre zurück.
So verlief der Schulalltag, abgesehen von den durch die Unterbringung verursachten Schwierigkeiten und einigen Transportproblemen, normal.
Diese konnten 1962 dank des von der Firma H.B. Lantzsch gestifteten VW Busses auch gelöst werden. Diese Spende haben wir in erster Linie dem damaligen Kassenwart, Franz Ballmann, zu verdanken. Ein für uns günstiger Umstand war, dass der Verkaufsleiter bei Lantzsch der Vater einer Schülerin war. Als Fahrer hatten sich Eltern bereit erklärt, was bei den Proben und Vorbereitungen zu Festen und Feiern besonders wichtig war. Und deren hatten wir viele, noch lange bevor das Wort “Öffentlichkeitsarbeit” einen Stellenwert hatte.
Wir machten die Schule durch ihre Gesangsauftritte und musikalischen Darbietungen bekannt, sei es bei den Nachbarn, bei den Sprachschulen der U.S. Regierung, bei den amerikanischen Deutschlehrern in den jeweiligen amerikanischen Schulen, bei den Schul- und Sommerfesten, den Weihnachtsfeiern und besonders bei der International Food Fair im Novemer 1964 im Mayflower Hotel in Washington, DC - wo immer es auch war und wir um unsere Mitwirkung gebeten wurden. Und das alles in unseren bis zum Brechen vollen Privatwagen! Aber wir haben es gerne getan, mit viel Freude und Idealismus.
Andererseits wollten wir auch den Kontakt mit den amerikanischen Deutschlehrern aufrecht erhalten und ihnen einen Einblick in unsere Unterrichtsarbeit geben. Sie waren erstaunt über die saubere Heftführung, und das Handhaben der Schreibschrift mit Füllfederhalter verblüffte sie geradezu. Dass aber mit dem Nachfüllen der leeren Patronen aus dem Tintenfass Geld zu verdienen war, mag vielleicht ein Ansporn zum leichten Umgang mit dem Füller gewesen sein.
Wachsende Schülerzahlen
Während des Schuljahres 1961/62 hatte die Schule 19 Zugänge, sodass die Schülerzahl Ende Juni 52 betrug. Mit Beginn des Schuljahres l962/63 erhöhte sich die Schülerzahl noch einmal, zunächst auf 75, dann auf 76 und zwar in folgender Verteilung: im Kindergarten 21 Kinder, in der Grundschule mit Gymnasium 55 Kinder. In Klasse 1 (16, Frau Sklarzik) wurde der Unterricht getrennt erteilt, in Klasse 2 und 3 kombiniert (18, Frau Chretien), ebenso in Klasse 4 und 5 (21, Herr Sklarzik), wobei Klasse 5 nach gymnasialem Lehrplan in einigen Fächern gesondert unterrichtet wurde. Aufgrund seiner Ausbildung hatte Heinz Sklarzik die Lehrbefähigung für diesen gefächerten Unterricht. Ich wurde zu diesem Zeitpunkt von meiner vorgesetzten Dienststelle in Deutschland beurlaubt und trat als frei vermittelte Lehrkraft in das Kollegium ein. Vor meinem Dienstantritt in der Deutschen Schule erreichte ich beim Dokumentations- und Auskunftsdienst des Auswärtigen Amtes in Bonn/Bad Godesberg die Zusage für eine angemessene Lehr- und Lernmittelsendung.
Aus dem Jahresbericht l962/63, bzw. der Ansprache anlässlich der Elternversammlung vom 5. September 1963 können wir den Worten von Heinz Sklarzik folgendes entnehmen: “Im November konnten wir die Tochter des Herrn Bundeskanzlers (Adenauer), Frau Werhahn, in unserer Schule begrüssen; sie brachten zur Freude aller einen Teil der langersehnten Schulbücher mit. Frau Werhahn besuchte alle Klassen und zeigte sich sehr interessiert an allem schulischen Geschehen. Zum Abflug des Herrn Bundeskanzlers hatte ich die Sexta zur Andrews Airbase gefahren und sie dort eine Stunde praktischer Staatsbürgerkunde erleben lassen.”
Schon im Dezember 1962 erreichte uns die Lehr- und Lernmittelsendung und von der Kulturabteilung der Deutschen Botschaft wurde der Grundstock für eine Erwachsenen-Bücherei gelegt.
Mit zehn weiteren Zugängen erhöhte sich die Schülerzahl auf 85 am Ende des Schuljahres l962/63. Schon mit dieser Schülerzahl war das Haus am MacArthur Boulevard nicht mehr geeignet.
Unter diesen Umständen wurde die bereits im Vorjahr zu spürende Raumnot immer deutlicher. “Die Weiterführung und der Ausbau der Schule stehen damit vor einer ernsten Krise” warnte Herr Opfermann (Brief v. 31. August l962). Um diese Zeit befasste sich Dorothy Goodman mit der Gründung der Internationalen Schule in Washington, DC. Sie dachte daran, durch Übernahme unserer Schule einen deutschen Zweig in der Internationalen Schule zu errichten. Diese Schule hat sich, gemäss ihrer Voraussetzungen und Zielvorstellungen, eigenständig entwickelt und hat seither einen festen Platz im District of Columbia.
Beginn einer Umzugsodysee:Vom District über Virginia nach Maryland
Erneut begann die Suche nach einer geeigneten Unterbringung. Von den 85 Schülern wohnte knapp die Hälfte (49%) in Virginia, 38% in Maryland und 18% im District of Columbia. Für die weitere Entwicklung der Deutschen Schule schien der Verbleib im District of Columbia weniger geeignet. So konzentrierte sich die Suche auf die Vororte mit dem Vorsitzende des Deutschen Schulvereins, Franz Lütolf, klapperte Heinz Sklarzik bei anhaltenden, heftigen Schneestürmen die Gegend ab, verhandelten mit verschiedenen Kirchenvertretern und “beteten um gut Wetter.” Zu guter Letzt wurden sie erhört; die Gemeinderäume (Sunday School) der Chesterbrook Methodist Church an 5025 [heute 1711] Kirby Road in McLean, VA, konnten angemietet werden. Dieser Stadtteil war schon fest in deutscher Hand, hieß er doch im Volksmund "krauthill". Die Verhandlungen verliefen im Vergleich zu Washington, DC, und zu einem späteren Zeitpunkt in Maryland verhältnismäßig reibungslos. Der Umzug nach Virginia am 10. März l963 wurde im Selbsthilfeverfahren bewältigt, wobei der von H. B. Lantzsch gestiftete VW Bus wiederum gute Dienste leistete. Der Unterricht konnte ohne Verzögerung und unter wesentlich günstigeren Verhältnissen im neuen Gebäude aufgenommen werden. Ich zitiere weiter aus dem Bericht von Herrn Sklarzik: “Die letzten Wochen des Schuljahres wurden gut genützt und als Antrieb und Leistungsmaßstab wurden am Ende des Schuljahres in allen Klassen Schulleistungsprüfungen durchgeführt. Als Prüfungsausschuss waren gebeten worden: Dr. Gündell von der Kulturabteilung der Deutschen Botschaft und vom Schulvereinsvorstand Frau Borchardt und Herr Ballmann. Für die 4. Klasse war die Leistungsprüfung gleichzeitig die Übergangsprüfung für die künftige Sexta. Themen und Aufgaben waren entnommen worden aus dem Buch von Dr. Nikol ‘Aufnahmeprüfungen an Höheren Lehranstalten’.”
Mit weiteren 38 Neuanmeldungen begann das Schuljahr 1963/64; die Schülerzahl war auf 123 Schüler angestiegen. Mit Klasse 6 konnte eine weitere Klasse eingerichtet werden. Den Englischunterricht übernahm Enüd Sztanko vom 2. bis zum 6. Schülerjahrgang. Mitte Oktober 1963 übernahm Sigrid Blobel den Lateinunterricht, der ab Klasse 5 für alle Schüler des Gymnasiums verbindlich war. In den Bemerkungen zum Lehrstoff heißt es in dem Entwurf für eine Broschüre im Jahre 1965: “Der Unterricht in dieser alten Sprache hat das Ziel, die im Erbe der Antike enthaltenen Werte und formenden Kräfte für die Erziehung und Bildung der Schüler wirksam zu machen. Er gliedert sich in den grammatischen Vorkurs und die Lektüre.” Diese Zielvorstellungen haben die Lateinlehrer an der Deutschen Schule Washington mit grosser Begeisterung zu verwirklichen versucht.
Im November kam als Klassenlehrerin für die 5. und 6. Klasse Helga Engelhardt aus dem innderdeutschen Schuldienst hinzu. Mit der Einstellung von Rita Zeiler im Oktober l963 konnte Frau Sklarzik entlastet werden, die bis dahin, zusätzlich zu ihrem Stundensoll und zu anderen außercurricularen Aktivitäten die Büroarbeiten verrichtete. Frau Zeiler erteilte außerdem evangelischen Religionsunterricht und half im Kindergarten bis zum Eintreffen von Frau Hannelore Pfeil aus. Der stark angewachsene Kindergarten musste in zwei Gruppen geteilt und weiterhin auf den Nachmittag verlegt werden.
Für l964/65 waren 157 Schüler angemeldet. Zu Beginn des Schuljahres traten die Herren Erich Kleinschmidt (Schulleiter), Günter Rettmer, John Kane, Steven Szabo, Pfarrer Stein-Schneider und Pater Keck neu in das Kollegium ein. Die Gesamtzahl der an der Deutschen Schule Washington, DC, beschäftigten Lehrkräfte betrug 15, von denen sechs vom Auswärtigen Amt vermittelt waren. Stundenweise beschäftigte Lehrer/innen sind in dieser Zahl eingeschlossen.
Mit der Errichtung der Klasse 7 war die Schule soweit aufgebaut, dass alle Klassen fachgerecht unterrichtet werden konnten. Aber es war vorauszusehen, dass auch diese Art von Unterbringung nur ein Provisorium sein konnte. So war der Besuch des Leiters der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes, Dieter Sattler, der Retter in der Not. Er konnte sich selbst von der drückenden Enge überzeugen. Weiter konnten wir am 23. November 1964 Brigitte Schröder, die Gattin des Außenministers der Bundesrepublik Deutschland, bei ihrem Schulbesuch begrüssen. Wochen zuvor waren Botschaft und Vorstand bei ihm im Auswärtigen Amt wegen der Dringlichkeit eines richtigen Schulgebäudes vorstellig geworden. Kurz nach seinem Besuch stellte das Auswärtige Amt für diesen Zweck den erfreulichen Betrag von 1,3 Mio. DM bereit.
Der zweite Durchbruch: Ein Grundstück in Maryland
Mit 30 Neuzugängen für das Schuljahr 1965/66 stieg die Schülerzahl auf 196 und damit war die Aufnahmekapazität überschritten. Mit der Einrichtung der Klasse 8 war das Gymnasium mit 63 Schülern vertreten, für die, entsprechend den Vorschriften eines neusprachlichen Gymnasiums, der Unterricht von Fachlehrern erteilt werden musste. Somit war man dem Ziel, die Schule durch den stufenweisen Aufbau der Sekundarstufe, über die Schlussprüfung in Klasse 10 und dem amerikanischen High School Abschluss in Klasse 12, zum Abitur in Klasse 13 zu führen, näher gekommen. Dies war dem unermüdlichen Einsatz des Schulleiters, Erich Kleinschmidt, zu verdanken und der ihm eigenen Akribie eines klassischen Philologen.
Motiviert durch die Dringlichkeit und mit der Aussicht auf die Bereitstellung der 1,3 Mio. DM ($306,000.00) vom Auswärtigen Amt, begann wiederum das Suchen nach einem geeigneten Grundstück. Es ist den Bemühungen des Schulvereinsvorstandes, insbesondere Herrn Lütolf, und dem Vertreter der Bundesbaudirektion, Josef Joraschek, im Verein mit dem ortsansäßigen Bauunternehmer Gerd Heinsohn, zu verdanken, dass alle Möglichkeiten ausgeschöpft wurden, ein geeignetes Grundstück zu finden.
Zu guter Letzt fiel die Wahl auf ein 8.59 acre großes Gelände in Potomac, Maryland. Es liegt entlang der River Road, stadtauswärts in westlicher Richtung, 2,3 Meilen vom Beltway entfernt und verkehrsmässig günstig, weil direkt an der Bushaltestelle. In den public records vom 8. März 1966 wird es wie folgt beschrieben: “The lot is a very impressive 8.59 acre site, located within one of the most desirable areas in prestigious Potomac.”
Das Anhöreverfahren fand am 29. Juli 1965 statt. Wie zu erwarten, legten die Nachbarn heftigen Einspruch ein. Sie argumentierten, The Board of Appeals stehe im Widerspruch zu den bestehenden Bestimmungen, missachte die gesetzlich geregelten Vorschriften das Gelände betreffend, genehmige Ausnahmeanträge ohne Rücksicht auf die bestehenden Verfügungen und ignoriere die damit verbundene Wertminderung der anliegenden Grundstücke. Auch von Seiten der West Montgomery County Citizens’ Association wurde Einspruch erhoben. Die Mitglieder wiesen auf die durch Überbauung entstehenden Umweltschäden in diesem Wasserschutzgebiet hin. Nach Überwindung dieser Widerstände wurde die Ausnahmegenehmigung am 28. August 1965 erteilt. Der Umstand, dass Montgomery County auf dem 16 acre großen anliegenden Grundstück in Zukunft eine Junior High School errichten wollte, erleichterte die Verhandlungen etwas, da diese Enklave für Educational Buildings (Zoning R-EC, d.h. Educational Exceptions) vorgesehen war. Diese Junior High School wurde damals nicht gebaut. Gemäß des Potomac Almanacs vom 23. Januar 2001 sollen dort 72 Sozialwohnungen für ältere Mitbürger gebaut werden, heute bekannt unter dem Namen Falconhurst.
Spatenstich und Richtfest am Logan Drive

- Haupteingang der Deutschen Schule Washington, DC, am Logan Drive, Potomac, Maryland (1966). 1966 © J. Alexander & German School Society.
Im Januar 1966 war der Kaufvertrag mit US $172,000.00 (DM 731 000,00) abgeschlossen. Aber damit war es nicht getan. Es galt bei den zuständigen Behörden in Montgomery County so schnell wie möglich die Baugenehmigung einzuholen. Diese wurde bereits nach drei Wochen erteilt, wiederum dank der Verbindungen von Gerd Heinsohn. So konnte gleich nach dem ersten Spatenstich am 24. Februar 1966 mit den Bauarbeiten begonnen werden.
Beaufsichtigt wurden die Arbeiten von Josef Joraschek als Vertreter der Bundesbaudirektion in Berlin, die auch den Bau entworfen hatte. Mit der Durchführung beauftragte man Gerd Heinsohn, dessen Bagger und andere schwere Geräte die Unmassen von Lehm und Gestein dem Erdreich entrissen und den Baugrund freilegten. Bereits am 18. Mai konnte das Richtfest gefeiert werden. Diesem tatkräftigen Einsatz ist zu verdanken, dass nach sechsmonatiger Bauzeit das Signal zum Umzug gegeben werden konnte. Er fand bei glühender Sommerhitze im August l966 statt. Schüler und Eltern, voran der Gesandte der Botschaft, Herbert Freiherr von Stackelberg, Vorstand und Lehrer, alle packten fest mit an. Es war ein Fest der Freude und mit Erleichterung sahen wir dem Schuljahr 1966/67 im “eigenen” Gebäude entgegen.
Im Jahresbericht von 1965/66 lesen wir auf Seite 4/5: “Das neue Gebäude, das in einer landschaftlich schönen Umgebung, zwischen Bethesda und Potomac liegt, besteht aus zwei Trakten, die durch eine überdachte Pausenhalle verbunden sind. Es enthält genügend Klassenräume für die nächsten zwei Jahre (Klasse 9 und 10), einen naturwissenschaftlichen Raum mit Vorbereitungs- und Sammlungsraum, einen grossen Mehrzweckraum und die so dringend gebrauchten Räume für Sekretariat, Lehrerzimmer und Direktorat.” Es wurde als Provisorium errichtet, das später auf demselben Grundstück durch ein grosses, permanentes Gebäude ersetzt werden sollte.
Mit der Einstellung von Hannelore Koske am 1. März 1966 konnte auch der so dringend benötigte Verwaltungsapparat ausgebaut werden.
Ende des Schujahres 1965/66 kehrte das Lehrerehepaar Sklarzik nach fünf Jahren nach Bayern zurück - trotz der Petitionen des Schulvereinsvorstandes, der Elternschaft und des Gesandten, Herbert Freiherr von Stackelberg, an das Bayerische Kultusministerium, Herrn Sklarzik noch für ein oder zwei Jahre zu beurlauben.
Aus grundsätzlichen Erwägungen erlaube das Kultusministerium in Bayern nur fünf Jahre Beurlaubung und wolle auf keinen Fall einen Präzedenzfall schaffen. Diese Entscheidung wurde von Eltern und Schülern gleichermassen bedauert.
Im Jahresbericht von 1966/67 lesen wir weiter auf Seite 1: “Der als Provisorium gedachte Pavillionbau ist unter sparsamster Verwendung der von der Bundesrepublik Deutschland bereitgestellten Mittel errichtet worden. Wenn er auch in Anlage und Ausführung nicht mit Schulgebäuden, wie sie heute in Deutschland gebaut werden, verglichen werden kann, so stellt er doch für die Unterbringung der Deutschen Schule Washington, DC, einen erheblichen Fortschritt dar, der dankbar begrüßt wurde. Das vorhandene Mobiliar wurde durch eine großzügige Spende des Auswärtigen Amtes ergänzt, so dass alle Räume gut eingerichtet werden konnten.”
All die Jahre hindurch war wiederholt zu lesen, dass “dieser Bau durch ein großes, allen Ansprüchen moderner Schularchitektur genügendes Gebäude ersetzt werden sollte.” Zu dem Vermerk “unter sparsamster Verwendung” muss ich hinzufügen, dass die Firma Heinsohn oft kostenlos Arbeiter und Arbeitszeit, Material und Geräte zur Verfügung stellte und somit die neue Schule bereits nach sechs Monaten bezugsfertig war.
Einweihung am Logan Drive
Am 12. September l966 konnte mit der neu errichteten 9. Klasse der Unterricht beginnen. Die offizielle Einweihung fand am 29. Oktober 1966 durch den Botschafter der Bundesrepublik Deutschland, Heinrich Knappstein, statt. Die Volkswageninvasion an der River Road ließ auf eine große Beteiligung an der Feier schliessen. Sie war so groß, dass sich der Mehrzweckraum schon als zu klein erwies. Über Lautsprecheranlagen konnten auch die Teilnehmer außerhalb des Raumes die Ansprachen mithören. Die deutsche und amerikanische Presse berichtete ausführlich darüber. Da bereits schon im Vorjahr die Verbindung mit dem Maryland State Department of Education in Baltimore wegen der staatlichen Anerkennung aufgenommen wurde, waren auch Vertreter dieser Dienststelle anwesend. Von der deutschen Abteilung des US Department of State sagte Alfred Puhan als Vertreter des U.S. Außenministers Rusk folgendes: “I cannot imagine a graduate from this school leaving it with a parochial, narrow, or bigoted point of view.”
Auszug aus der Rede des deutschen Botschafters in Washington, D.C., Heinrich Knappstein, bei der Schlüsselübergabe an den Leiter der Schule, Erich Kleinschmidt:
“The increase in numbers is in itself a sign that the work of the school has found a positive echo. But the greater significance lies in the fact that in 1961 the student body was almost exclusively German. Today one third of the students are not Germans but of eight or ten different nationalities, among them no less than sixty or, in other words, one fourth are American. This shows that the school is succeeding in one of its major goals, namely, to be a meeting place of young people from two continents, a place where two different cultures, different customs and manners can freely meet and blend in the daily life of the students. . . .
“With my best wishes it is my deeply appreciated privilege to hand now to Mr. Kleinschmidt the key of the German School Washington and formally declare the German School Washington to be open. This, Mr. Kleinschmidt, is the key and I am very glad that I can put it in your hands.”
Herr Kleinschmidt erwiderte daraufhin u.a.: “We have to thank all of you for your financial, your moral and active support without which we never would have been able to build the school. You know that this building which you see today in another seven or eight years will, according to present plans give way to a larger, final structure which will be designed to meet all the requirements which by the envisaged enlargement and growing student enrollment will have become necessary.”
Noch eine Anmerkung zur Rede des Botschafters. Anläßlich des 25 jährigen Jubiliäums der Carl Schurz Memorial Founda-tion sagte er u.a. am 14. Oktober 1955 in Chicago: “. . . the necessity for cultural cooperation between both as an adjunct to political and economical ties and - more importantly - as a mutually fruitful stimulation for cultural developments” (The American German Review, December 1955, pp. 38/39) Heinrich Knappstein war damals deutscher Generalkonsul in Chicago.
Anwachsende Schülerzahl
Mit dem Einzug in das neue Gebäude beginnt nicht nur äußerlich ein neuer Zeitabschnitt, sondern auch eine Phase der inneren Entwicklung. Mit 86 Gymnasiasten von der 5. – 9. Klasse konnte der Unterricht von den für die jeweiligen Fachrichtungen ausgebildeten Lehrern gegeben werden. Ein für die Fächer Deutsch und Erdkunde neu vermittelter Fachlehrer in den Klassen 6 – 9 wollte gleich bei der Ankunft auf dem Flughafen alles aus dem Würzelchen erklärt wissen. So machte er bei dem Einkaufszentrum Seven Corners folgende Bemerkung;”Komisch, eine Kirche, nur für “Gott und den Schneider” (Lord & Taylor, ein Kaufhaus), ist Gott der Schutzpatron der Schneider? Das klingt so nach “Zar und Zimmermann” Schwieriger war es für besagten Kollegen eine passende Wohnung zu finden, “. . . diese Leichtbauweise . . . man kommt ja nicht mal zum Schlafen. . . .” Zur Isolierung seiner Wohnung fiel sein Augenmerk auf die Kisten, in denen die Schulmöbel aus Deutschland verpackt waren. Immer auf Sparflamme, das Kistenholz musste her und zwar sofort, seine zerrütteten Lehrernerven ertrügen das Geräusch von nebenan nicht mehr. Zwei seiner Schüler erbarmten sich und schafften das Kistenholz, teils streckenweise im Traktor mit Anhänger, in seine Wohnung. Jetzt war er “Zimmermann” und musste sich nur noch einen Schutzpatron suchen.
A propos Schulmöbel: Beim Besichtigungsrundgang bemerkte Botschafter Knappstein: “Hier möchte ich auch noch einmal zur Schule gehen. Das bewegliche Schulgestühl, die leuchtenden Farben, so gemütlich wie in einem Kaffeehaus, dazu der lockere Umgang zwischen Schülern und Lehrern, zu meiner Zeit waren die Lehrer noch Pauker, aber zum Amüsement der Schüler auch Originale.”
Die Welt (23. September 1966) berichtete über den “Tumult von Farben im Kindergarten der neuen deutschen Schule,” ebenso der Sunday Star: “German School Hailed for International Role” (29. Oktober 1966).
Apropos Lehrer: Eine, 1965 neu in das Kollegium eingetretene Englischlehrerin, von der J. F. Kennedy Schule in Berlin kommend, wunderte sich über die zu sommerliche Fußbekleidung mancher Kolleginnen. “From the school where I come from you do not “expose your bare toes. No Bobby socks! Nylons and heels, please!”
Ein 1969 neu hinzugekommener Lehrer aus Deutschland veranlasste die Schüler zu dem Ausruf: “Jetzt haben wir endlich auch einen Hippie-Lehrer!”
Die Verlegung der Schule nach Maryland brachte einige Transportschwierigkeiten mit sich, die nicht allein durch die Bereitstellung eines weiteren Schulbusses durch das Auswärtige Amt gelöst werden konnten. Immer mehr Eltern zogen nach Carderock Springs um oder siedelten sich dort an. Maryland konnte nun auch seinen Krauthill aufweisen.
Die auf 250 festgelegte Schülerzahl war schon ein Jahr nach dem Einzug in das neue Gebäude überschritten. Der Kindergarten musste ausgelagert werden. Zu Beginn des Schuljahres 1967/68 war er auf drei Gruppen angestiegen und zog in die angemieteten Räume der Potomac United Methodist Church an der Kreuzung South Glen and Falls Road um.
Höhepunkt des Schuljahres war der am 2. Dezember 1967 veranstaltete Weihnachtsbasar in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland, wiederum eine Invasion von Volkswagen und 5000 Besuchern. Diese Veranstaltung, angeregt durch Isa Freifrau von Stackelberg, erbrachte einen Reinerlös von US $12 000, der für die Schule sinnvoll verwendet werden sollte. Aus diesem Anlass bildete sich ein Förderkreis am 24. März 1969, die "Friends of the German School", zunächst unter dem Vorsitz von Barbara Fuchs und, zu einem späteren Zeitpunkt, von Henriette Vent.
Schon während des Schuljahres 1968/69 zeigte sich wegen der anwachsenden Schülerzahl (344) und der Transport- und Kommunikationsschwierigkeiten, dass dieses sog. Provisorium durch ein “richtiges” Schulgebäude ersetzt werden musste. Dafür wäre der Anschluss an das öffentliche Wassernetz und an den Abwasserkanal notwendig geworden. Der Kauf des 16 acre grossen Grundstückes wurde wohl in Erwägung gezogen, aber man erinnerte sich an das Anhörungsverfahren vom 29. Januar 1965, auf dem heftiger Einspruch von Seiten der Nachbarn erhoben worden war. Vorgebracht werden könnte Wertminderung ihrer Häuser, Störung und Gefährdung der öffentlichen Sicherheit durch außerschulische Veranstaltungen, Anwachsen des Verkehrs durch Schulbusse und Privatautos, Umweltschäden durch Veränderung der topographischen Verhältnisse wie Sprengungen “Potomac is all Rocks and Clay” u.a. ökologische Auflagen wie Entwässerungsanlagen (storm-water management) und “protecting the green wedge, the streams in our watershed.”Welches Machtwort die Nachbarn hier haben, musste die französische Schule erfahren, als ihr Antrag, die Schule nach Potomac zu verlegen, abgelehnt wurde. An dieser Stelle ist auch der Antrag der Nachbarn an der River Road aus dem Jahre 1967 zu erwähnen, als sie Schutz vor Lärm und Staub, durch Anpflanzen von Nadelbäumen am Logan Drive entlang, forderten.
Ein Grundstück am Chateau Drive

- Zeitungsbericht zum Chateau Drive Spatenstich: "Deutsche Schule in kritischer Phase," Washington Journal (22. Januar 1971), S. 3.
Der Einfachheit halber zitiere ich aus der Schrift anläßlich des 20 jährigen Bestehens der Deutschen Schule: “Erneut musste das Auswärtige Amt um Abhilfe gebeten werden. Der Chronist kann noch heute sein ungläubiges Erstaunen kaum verbergen, dass persönliche Vorsprachen in Bonn, gezielte Berichte aus Washington und vielerlei Gespräche mit politischen Persönlichkeiten (wie Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger, Bundesaussenminister Willy Brandt, Bundesfinanzminister Franz Josef Strauss) 1969 das Auswärtige Amt veranlassten, den Kauf eines weiteren Grundstückes zu genehmigen und die Errichtung eines repräsentativen Schulgebäudes in Aussicht zu stellen. Wiederum begann in der Umgebung Washingtons die systematische Suche nach einem Grundstück. Schließlich wurden 20 acres zum Preise von 1 Mio. DM am 8617 Chateau Drive in Potomac, MD erworben. In die Bundeshaushaltspläne in Bonn wurden für die Jahre 1970 bis 1975 insgesamt 20 Mio. DM für den Schulneubau eingestellt. Damit war der Weg geebnet für eine endgültige Lösung der vielfältigen Unterbringungsprobleme, mit denen die Schule von Anfang an zu kämpfen hatte.” (Heinrich Baumhof, 20 Jahre Deutsche Schule Washington, D.C. 1961–1981, S. 10).
Platzmangel am Logen Drive

- "Logan Drive platzt aus den Nähten," aus der Cartoon Geschichte der DSW: 1961-1981. 1981©Jan Bazing & Martin König.
Mittlerweile war die Nachfrage nach Aufnahme in die Deutsche Schule Washington größer geworden als ihre Aufnahmefähigkeit. Um die Dringlichkeit der Auslagerungen zu veranschaulichen, seien hier einige Angaben zu den anwachsenden Schülerzahlen erwähnt: Mit einer Gesamtschülerzahl von 445 war für das Schuljahr 1969/70 eine weitere Auslagerung unumgänglich. Vier Klassen der Grundschule fanden von 1969 bis 1975 im Generaliat der Sisters of Mercy an 9600 Kentsdale Road in Potomac, Maryland, Unterkunft. 1970/71 zählte die Schule 502 Schüler. Für das Schuljahr 1971/72 waren 544 Schüler angemeldet, mit weiteren sechs bis Juni 1972. Im Radius von etwa fünf Meilen begann die Suche nach einer weiteren Unterkunft. Die wäre in den Räumen der Har Shalom Congregation an 11510 Falls Road in Potomac möglich gewesen. Die Verhandlungen gingen gut vonstatten, scheiterten aber zuletzt an der Zubereitung des “Pausenbrotes” unserer Schüler. Kurz vor Beginn des neuen Schuljahres stellte die Potomac Presbyterian Church an 10301 River Road die Räumlichkeiten für drei Grundschulklassen zur Verfügung.
Doch mit dem Anwachsen auf 573 Schüler musste für 1972/73 eine weitere Dependance gefunden werden. Die fand sich in den Räumlichkeiten des National Girl Scout Centers, genannt Rockwood an 11001 MacArthur Blvd. in Potomac. Das ist die letzte Hausnummer am MacArthur Blvd., 12 Meilen entfernt von der Hausnummer 4925, dem ersten angemieteten Privathaus der Deutschen Schule Washington, DC.
So fand bis Ende des Schuljahres 1974/75 der Schulbetrieb für 640 Schüler an fünf verschiedenen Gebäuden in Potomac, Maryland, statt: Logan Drive, Potomac United Methodist Church, Sisters of Mercy, Presbyterian Church und National Girls’ Scout Center.
Die An- und Abfahrt zu diesen Gebäuden im Radius von 5 Meilen war der Aufmerksamkeit der Nachbarn nicht entgangen und führte zu mancherlei Beschwerden seitens der Anlieger.
Abgesehen von den Stunden- und Lehrplaninnovationen, der Heterogenität und Fluktuation der Schülerschaft, kamen die Kommunikationsschwierigkeiten und die Transportprobleme hinzu, die einer besonderen Koordination bedurften.
Vorab galt es, die Erfordernisse des Unterrichts aufeinander abzustimmen. Hinzu kam der Pendelverkehr der Lehrer von einem Gebäude zum andern, um in Erfüllung des Stundensolls u.a. schulischer Verpflichtungen jeweils am richtigen Ort zu sein. Trotz all der Notlösungen stellte die Schule ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis, indem sie die ersten Schluss- und Reifeprüfungen von 1968 bis 1971 abhielt. Somit war mit der Hochschulreife das Ziel erreicht und vorläufig der innere Aufbau der Deutschen Schule abgeschlossen.
Sobald der Kauf des Grundstückes und der Plan zum Bau einer zweiten Deutschen Schule durch die öffentliche Bekanntmachung der Ausnahmegenehmigung (special exception) publik wurde, regten sich auch schon die ersten Proteststimmen. Wir waren auf der Hut, weil wir dieses Mal mit einem noch stärkeren Veto zu rechnen hatten, vor allen Dingen mit Unter-schriften gegen dieses Projekt, das wegen der Bodenbeschaffenheit in nicht weniger als fünf Jahren zu bewältigen war.
Zunächst ging von der Schule aus ein Schreiben an die ortsansässigen Schülereltern mit der Bitte, der West Montgomery Citizens’ Association wegen des Stimmrechtes bei-zutreten. Meine Familie wohnte schon vor dem Umzug an den Logan Drive in Potomac und war als Mitglied dieser Bürgervereinigung mit den Nachbarn bekannt. Ich wurde vom Vorstand gebeten, eine Unterschriftenaktion (Petition) zu starten, um die gesammelten Unterschriften beim Anhöreverfahren am 16. Oktober 1969 (Hearing) vorlegen zu können. Ich ging von Haus zu Haus, hörte mir die Einwände wegen eines guten nachbarschaftlichen Verhältnisses an (good neighbors), wurde aber auch gewahr, dass die Opposition sich wegen der vielen Sprengungen und Länge der Bauzeit mehrte. (“The tremendous self assurance you people have is annoying.”) Der größte Einwand war gegen die Schulbusse mit der Aufschrift German School, denn wir hätten ja schon mal Ärger am Logan Drive wegen des Pendelverkehrs gehabt. Auf solche Fangfragen war ich durch meine Erfahrungen in dem Anhöreverfahren vom 29. Januar 1965 einigermassen vorbereitet. Letzten Endes hatte ich 36 Unterschriften von der Potomac Subregion zusammen, die gegen den Bau der Deutschen Schule am Chateau Drive nichts einzuwenden hatten.
Wider Erwarten wurde die Ausnahmegenehmigung am 9. Dezember 1969 erteilt, allerdings verbunden mit vielen Auflagen, wie z.B. keine Abendveranstaltungen mit Flutlichtern, keine Zuschauertribünen, keine Sommerschule, keine Wochenendaktivitäten (Tagesschule von Montag bis Freitag), Unterbringung der Schulbusse in der Tiefgarage, kurzum Einhaltung aller Montgomery County Codes and Regulations. Den Nachbarn ist alles an deren Einhaltung gelegen. (“We will monitor compliance, will report any violations to the appropriate authorities; we fight that no Board is swayed by any foreign governments or sharp lawyers.”)
Am meisten Zorn erregte die Aufhebung der “two acre zoning regulation.” Das bedeutet Erschließung des Chateau Drive und die damit verbundene Wertminderung der zukünftigen Häuser. Trotz all dieser Einsprüche wurde die Ausnahmegenehmigung am 9. Januar 1970 rechtswirksam.
Der dritte Durchbruch: Spatenstich am Chateau Drive

- Zeitungsbeitrag zur Einweihung der Deutschen Schule am Chateau Drive (Washington Journal, 9. Mai 1975).
Nach Erteilung der Baugenehmigung koordinierte der Vertreter der Bundesbaudirektion, Kurt Nowak, das große Bauvorhaben. Schon am 7. November 1970 informierte er, anläßlich einer ausführlichen Besprechung, deutsche und amerikanische Architekten und interessierte Lehrer über die endgültigen Pläne.
Ein Jahr später, am 4. Dezember 1970, erfolgte der erste Spatenstich durch den Botschafter der Bundsrepublik Deutschland, Rolf Pauls. Das in seiner Ansprache enthaltene kulturpolitische Konzept der Begegnungsschule hat er so zum Ausdruck gebracht:
“Meine Damen und Herren! Zunächst wollen wir diesen strahlenden Sonnenschein als ein gutes Omen für das ganze Vorhaben nehmen; es ist ja nicht ohne Risiko, im Dezember eine ground-breaking-ceremony vorzunehmen. Es ist ein grosser Augenblick für alle, die an der und mit der Deutschen Schule arbeiten und die sich um das Zustandekommen dieses Neubaues bemüht haben. Und es ist ein großes Engagement der deutschen Regierung, Millionen von Mitteln der Steuerzahler dafür bereit zu stellen, der Deutschen Schule in Washington ein nicht nur ständiges, sondern auch ein schönes und für eine moderne Schule beispielhaftes Heim zu schaffen.
Wir verstehen diese Schule als eine Begegnungsschule, und das heißt, Begegnung Deutscher mit ihren amerikanischen Freunden, mit Freunden aus anderen Völkern, Eltern und Kindern im Rahmen dieser Schule; Begegnung auf der Grundlage deutschen Geistes durch einen deutschen Lehrplan und durch das Medium der deutschen Sprache; das sind die drei unverzichtbaren Elemente, die die Arbeit dieser Schule als Begegnungsschule zu erfüllen hat. Und alle, die auf dieser Grundlage an und mit dieser Schule arbeiten, sind Freunde dieser Schule, und wir können gar nicht genug davon gewinnen. Wir hoffen und wünschen, dass die Schule, die in den letzten Jahren dank der hervorragenden Arbeit ihrer Leitung, ihres Kollegiums und ihrer Schüler sich schon große Anerkennung hier und auch für die endgültige Anerkennung in Deutschland erworben hat, glückhafte Zeiten in diesem neu zu erbauenden Haus entgegen geht. Alles Gute für die Zukunft der Deutschen Schule Washington.”
Am 8. März 1974 wurde das Richtfest nach deutscher Art und zum Erstaunen der amerikanischen Bauarbeiter und der eingeladenen Nachbarn, gehörig gefeiert.
Außerdem lud der Präsident der Bundesbaudirektion, Wolfgang Leuschner, die am Aufbau der Deutschen Schule unmittelbar Beteiligten zu einem Festessen in die Normandie Farm in Potomac ein.
Ein Jahr darauf, am 19. März 1975, zogen, ausgehend von dem Provisorium am Logan Drive und den vier Außenstellen 644 Schüler, sechs weniger als die auf 650 Schüler festgesetzte Höchstgrenze, in das neue Gebäude ein.
Mit der offiziellen Einweihung am 10. Mai 1975 durch Karl Mörsch, Staatsminister im Auswärtigen Amt, kann die Deutsche Schule Washington, DC, “glückhaften Zeiten in diesem neu erbauten Haus entgegengehen.” Somit steht sie am Beginn eines neuen Zeitabschnittes und hat seither einen festen Platz in der Hauptstadt der Vereinigten Staaten von Amerika.
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Annamarie Chretiens Beitrag "Zur Geschichte der Deutschen Schule" erschien zur Feier des 40. Jubliäums der Deutschen Schule im Buch, herausgegeben von Peter Dreher, Vierzig Jahre Deutsche Schule Washington DC: Eine Festschrift © 2001 German School Society, Potomac, Maryland. Alle Rechte vorbehalten.

