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Der „Observer Grotesque“

Haben Sie nicht auch manchmal das Gefühl, dass Sie beobachtet werden, wenn Sie in Richtung des Haupteingangs der DISW gehen? Wenn ja, liegen Sie gar nicht so falsch, denn jeder der, tagsüber wie nachts, den oberen Parkplatz der Schule überquert, wird von einem grotesken Beobachter genau unter die Lupe genommen – und das im wörtlichen Sinne. Grund zur Sorge?

Nein, absolut nicht! Aber ein Grund für Sie doch einmal stehen zu bleiben und auch genauer hinzusehen. Denn dort auf der Grünfläche in der Mitte des Parkplatzes steht eine Groteske, eine kleine Skulptur, die von einem ehemaligen Schüler der Deutschen Internationalen Schule, Robert Alger (Abitur 1987) geschaffen wurde.

Im Gegensatz zu den ähnlich skurrilen Wasserspeiern, die oft an Kirchendächern angebracht sind, um über eingebettete Wasserläufe das Regenwasser abzuleiten, sind Grotesken nicht mit Wasserläufen ausgestattet. Allerdings haben Sie das gleiche bizarre Aussehen. Alger meißelte „Observer Grotesque“ in den späten 1990er Jahren in Kalkstein, als er bei dem italienischen Meistersteinhauer Vincent Palumbo (1936-2000) in der Washington National Cathedral gelernt hat.

 

Die Idee hinter der Skulptur

Algers Vater war bei der National Cathedral angestellt und die Familie lebte in einer Wohnung in Hearst Hall, einem Gebäude auf dem Gelände der Kathedrale, das sich genau gegenüber der Hütte mit dem Atelier des Bildhauers befand. Seit Alger 11 Jahre alt war, arbeitete er unter „Palumbos prüfenden Blick“ und verbrachte einen Großteil seiner Freizeit im Atelier des Steinhauers.

Zwar wurde die Hütte des Bildhauers im Jahr 2000 eingerissen, aber die Erfahrungen, die Algers dort gemacht hatte, dienten als Inspiration für seine Skulptur an der Deutschen Internationalen Schule. Er erklärt: „Es kam oft vor, dass ganze Trauben von Besuchern der National Cathedral vor den Fenstern der Steinhauerhütte standen, um einen Blick auf die kleine Gruppe von Steinhauern unter Vincent zu erhaschen, die im Inneren Kalksteinblöcke in architektonische, ornamentale oder plastische Kunstwerke verwandelte, die noch bis heute die Kathedrale zieren. Wenn ich von meiner Arbeit aufblickte, sah ich oft direkt in die Menge der Gesichter, die hereinstarrte und jede meiner Bewegungen mit Hammer und Meißel genau verfolgte.“

Nur wenige Jahre später, als er anlässlich des jährlichen Blumenmarktes und Tag der Offenen Tür der Kathedrale eine Vorführung seiner Steinarbeiten präsentierte, fühlte er erneut, wie der prüfende Blick der Besuchermenge auf ihm ruhte. Er beschloss, „den Spieß umzudrehen“ und den alljährlichen Besuchern und Zuschauern zu zeigen, wie es sich anfühlt, wenn jemand einen genau im Auge hat. Es war eine spielerische Idee, die aus dem Moment heraus geboren wurde.

Ich beschloss, meinem Beobachter groteske Merkmale zu verleihen… kniend, mit zusammengekniffenen Augen, zusammengebissenen Zähnen und einer Hand, die verkrampft den Bleistift hält – alles in dem Versuch, ihm die fast schmerzhafte und unbequeme Position zu verleihen, mit der ein Beobachter durch die Lupe schaut, um wen oder was auch immer genau zu beobachten“, erklärt Alger.

 

„Observer Grotesque“ an der Deutschen Internationalen Schule

Anlässlich einer späteren Vorführung in den frühen 2000er Jahren kam Alger mit einer Besucherin ins Gespräch, die Vincent Palumbo persönlich kannte. Bei dieser Besucherin handelte es sich um Monika Hennig, zu jener Zeit Kunstlehrerin an der Deutschen Schule. Sie wollte ihren älteren Schülerinnen und Schülern einen Einblick in die Arbeit mit Stein geben und fragte Alger, ob er eine Vorführung und einen Vortrag an der Schule halten würde.

Alger brachte seinen „Observer Grotesque“ zu seiner Vorführung mit und war sehr angetan von der Reaktion der Schülerinnen und Schüler. Während der anschließenden Diskussionsrunde fragte der Schulleiter Dr. Klaustermeyer auf Drängen der Kunstlehrerin Alger, ob die Skulptur zu verkaufen sei. Nicht lange danach half Alger bei der Installation der Grotesken, damit diese ein „wachsames Auge auf die Besucher der DSW haben solle“. Er drückte seine Hoffnung aus, dass die Schulgemeinschaft den Beobachter trotz seines strengen und versteinerten Aussehens ins Herz schließen möge. „Ich denke, hinter dem steinernen Ausdruck liegt ein verspielter Charakter“, erklärte er augenzwinkernd.

 

Der Künstler

Robert Alger ist ein tschechisch-amerikanischer Bild- und Steinhauer, der zurzeit in der Tschechischen Republik lebt.

Im Alter von 11 Jahren ging Alger bei dem Meisterbildhauer Vincent Palumbo in die Lehre und es entwickelte sich eine enge Zusammenarbeit, die erst mit dem Tod Palumbos im Jahr 2000 endete. Alger arbeitete als Bildhauergeselle an der National Cathedral Washington und später als Bildhauer/Assistent an den unterschiedlichsten Projekten, beispielsweise an der US Naval Academy (Annapolis, Maryland), am Pennsylvania State Capitol (Harrisburg, Pennsylvania), am Weißen Haus und dem US Capitol in Washington D.C.

Er machte seinen Abschluss an der Accademia di Belle Arti di Carrara (Italien) und trat der Bildhauerzunft der USA bei. Er organisierte und leitete die verschiedensten Bildhauervorführungen und nimmt noch heute an Bildhauersymposien teil. Im Jahr 1987 machte er sein Abitur an der Deutschen Schule Washington (heute DISW).

Autor und Fotograf: Dr. Peter Dreher, ehemaliger Englischlehrer an der DSW (heute DISW). Verfasst am 26. April 2020.

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